NIPT

dna

Der Nichtinvasive Pränataltest erfolgt über eine Blutentnahme bei der Mutter ohne Punktion der Gebärmutter. Im mütterlichen Blut lassen sich schon im 1. Trimenon Fragmente fetaler DNA (Bruchstücke der kindlichen Erbgutträger) nachweisen. Ungefähr 10% der freien DNA im mütterlichen Blut stammen vom Kind, genauer gesagt aus Zellen des Mutterkuchens (Plazenta), welche im Regelfall genetisch identisch mit den Zellen des Fetus sind.

Diese frei zirkulierende fetale DNA (cell free DNA) wird über ein aufwändiges Laborverfahren untersucht, ob das Risiko für Chromosomenanomalien wie die freien Trisomien T21, T13, T18, quantitative Störungen der Geschlechtschromosomen (X und Y) sowie die häufigste Mikrodeletion 22q11.2 erhöht ist. Die aktuellen Testanbieter untersuchen bislang hauptsächlich diese Chromosomenanomalien, der Großteil der anderen genetischen Störungen oder Organfehlbildungen werden hierbei aber nicht abgeklärt. Auch wenn der Test unauffällig ausfällt, ist das nicht gleichbedeutend mit einem insgesamt gesunden Kind.

Der NIPT ersetzt daher nicht die detaillierte Ultraschalluntersuchung.

Durch den NIPT erhält man eine Risikoeinschätzung bzw. eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen bestimmter Chromosomenanomalien. Dies erfolgt für die freie Trisomie 21 mit einer sehr hohen Testgenauigkeit von über 90%, die dann gilt, wenn der Test ein unauffälliges Ergebnis erbracht hat. Dennoch kann auch hier kein 100% sicherer Ausschluss einer Trisomie erfolgen.

Liegt nach dem NIPT ein positiver Befund bzw. ein erhöhtes Risiko für eine Chromosomenanomalie vor, muss eine Bestätigung über eine invasive Diagnostik erfolgen, da falsch-positive Ergebnisse möglich sind. Ein falsch-positiver Befund bedeutet, dass der Test ein auffälliges Ergebnis erzielt hat, das Kind hat aber in Wirklichkeit keine Trisomie. Falsch-positive Befunde sind sehr viel häufiger als falsch-negative Befunde.

Ist der Anteil der fetalen DNA im mütterlichen Blut zu niedrig, kann auch ein falsch-negatives Ergebnis resultieren (das Kind hat eine Trisomie, der Test hat diese aber nicht erkannt).

Beispielsweise bei Zwillingsschwangerschaften, nach einer künstlichen Befruchtung und bei maternaler Adipositas ist die Testversagerquote höher.

In ca. 1% kann auch ein sogenannter Mosaikbefund vorliegen. Die beim NIPT untersuchte DNA stammt aus plazentaren Zellen, die im Normalfall genetisch identisch sind mit den fetalen Zellen, stammen sie doch aus einer gemeinsamen Ursprungszelle. Jedoch kann in seltenen Fällen die DNA aus den Zellen des Kindes und der Plazenta unterschiedlich sein, ein sogenanntes Mosaik liegt vor (die plazentare DNA ist pathologisch, aber die kindliche DNA ist normal, und umgekehrt). Dementsprechend kann auch der Test ein falsches Ergebnis liefern.

Ein ergebnisloser Test sollte weiter diagnostisch abgeklärt werden, da hier häufiger genetische Anomalien ursächlich sein können.

Der Test ist ab der 10.-11. Schwangerschaftswoche möglich. Es wird von den Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) empfohlen, den NIPT im Rahmen einer frühen sonografischen Fehlbildungsdiagnostik zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche durchzuführen. Denn sind bereits sonografische Auffälligkeiten beim Kind zu erkennen (stark verdickte Nackentransparenz oder Fehlbildungen), ist der NIPT zur genaueren Abklärung nicht zu empfehlen. Es wird eine ausführlichere invasive Diagnostik erforderlich, weil nur hierbei alle 46 Chromosomen einer menschlichen Zelle untersucht werden können.

Der NIPT hat insbesondere auch eine Bedeutung als weiterer diagnostischer Schritt nach vorangegangenem Ersttrimesterscreening. Bei letzterem wird die individuelle Risikoberechnung für die Trisomien 13, 18, 21 in drei Risikobereiche (niedrig, intermediär, hoch) eingeordnet. Liegt das Risiko im niedrigen Bereich, ist eine weiterführende Diagnostik nicht zwingend erforderlich. Es bleibt dem Wunsch der Schwangeren überlassen, ob sie eine weitere Risikominimierung für die o.g. Chromosomenanomalien durch den NIPT wünscht.

Wird das Risiko im intermediären Bereich eingeordnet, der Ultraschallbefund war jedoch unauffällig, kann zunächst ein NIPT erfolgen. Bei einem unauffälligen Ergebnis liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine der genannten Trisomien vor, es bleibt dennoch ein geringes Restrisiko für eine nichterkannte Chromosomenanomalie bestehen. Wie bereits erwähnt werden seltenere genetische Erkrankungen und Fehlbildungen durch den NIPT nicht erfasst. Daher wird auch im weiteren Schwangerschaftsverlauf die sonografische Fehlbildungsdiagnostik sinnvoll bleiben. Fällt das Ergebnis des NIPT positiv aus, sollte eine beweisende invasive Diagnostik erfolgen.

Ist im Rahmen des Ersttrimesterscreenings ein hohes Risiko berechnet worden, wird ebenfalls direkt die invasive Diagnostik empfohlen.

Der NIPT ist eine genetische Untersuchung, die nach entsprechender Aufklärung der Einwilligung der Schwangeren bedarf. Vor dem Test erfolgt eine untersuchungsbezogene genetische Beratung. Die genetische Beratung kann auch ggf. durch einen Humangenetiker erfolgen. Auch eine psychosoziale Beratung bei einer Beratungsstelle kann im Bedarfsfall von der Schwangeren in Anspruch genommen werden.

Der Test durch das Speziallabor sowie die Beratung und der Ultraschall sind in den meisten Fällen bislang keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen und müssen daher selbst bezahlt werden.

Ab 2021 wird der Test wahrscheinlich bei bestimmten Indikationen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

https://www.bvnp.de/article/9-pressemitteilung-nipt-als-kassenleistung-pränataldiagnostiker-sehen-gravierende/

https://www.degum.de/fileadmin/dokumente/sektionen/gynaekologie/Informationen_zum_Fach/NIPT-10-goldene-Regeln_AK_v2020-02-17.pdf